GESCHICHTE

Ritter, Ratsherren und Regimente.

Das Bad Schauenburg schreibt seit seiner Grundsteinlegung im 15. Jahrhundert eine lange bewegte Geschichte. Einst befand es sich im Besitz von Edlen, Ratsherren und Stadtschreibern, bevor es dank seines Heilwassers zum Bäderhotel wurde.

Zwischen 1900 und dem Zweiten Weltkrieg erlebte Bad Schauenburg seinen Höhepunkt als weitherum bekanntes Heilbad. Während dem Krieg waren Soldaten untergebracht. Und sogar eine eigene Kirschensorte wurde hier von einem der damaligen Schauenburg-Besitzer gezüchtet: Die «Schauenburger» ist heute die wichtigste spätreifende Tafelkirschensorte der Schweiz.

1958 kaufte die J.R. Geigy AG das Grundstück mit dem Plan, eine Villensiedlung für ihr Direktionskader zu erstellen. In der Folge wurde der Gasthof aber zu einem modernen Tagungshotel ausgebaut und das Landwirtschaftsland verpachtet.

Bis September 2015 gehörte Bad Schauenburg dem Basler Pharma-Unternehmen Novartis. Heute ist es im Besitz des Baselbieter Unternehmers Peter Grogg, Gründer der Bachem. Geführt wird Bad Schauenburg seit 1984 liebevoll von der Gastgeber-Familie Häring.

1403

EIN RITTER AUF MADLEN LAG IN STETER FEHDE MIT DEM EDLEN VON SCHAUENBURG

Auf der Jagd erschlug der Herr von Madlen den Schauenburger und führte später die schöne Witwe als Gemahlin auf die Madlenburg. Nach dem Tode fand er keine Ruhe. Von Zeit zu Zeit ertönt sein Jagdhorn, man hört das Gebell seiner zwölf weissen Hunde. In wilder Jagd reitet er auf seinem Schimmel durch den Wald. Hört man den Madlenjäger, so bricht bald darauf ein Unwetter los, behaupten die alten Leute.

 

Quelle: Baselbieter Sagen, Paul Suter und Eduard Strübin

 
 

1649

«BADHUS» GEGEN FIEBER

Wo heute das Hotel steht, unterhalb des Burghügels der alten Schauenburg, befand sich Mitte des 15. Jahrhunderts ein kleines Kloster, das die Eptinger von Pratteln gestiftet hatten. Später gehörte das Landgut den Edlen von Schauenburg. In den folgenden Jahrhunderten wechselten die Besitzer häufig. Im Jahre 1649 gehörte der Gutshof dem Ratsherrn und Stadtschreiber von Liestal, Hans Jakob Keller. Dieser richtete erstmals ein Bad ein, das aus einer Quelle gespeist wurde, die Wasser mit salpetriger Kalkerde führte. Laut dem Chronisten Daniel Bruckner dient es: «... insonderheit in langwärenden, kalten Fiebern (...), wenn man bey Ankunft des Fiebers biss an den Halss in das Baad sitze.»

Nach einer Federskizze von Georg Friedrich Meyer von 1680 bestand das Bad damals aus mehreren Gebäuden. Das langgestreckte «Badhus» von 1643 war mit Lauben versehen und stand im rechten Winkel zu einem weiteren Wohnhaus, vor dem sich ein kreisförmiger Garten befand; etwas davon entfernt lagen drei Hochstudhäuser mit Strohdächern.

 

1691

KONKURRENZ

1691 erhielt das benachbarte Hofgut Neu-Schauenburg vom Basler Rat ebenfalls die Erlaubnis, ein Bad einzurichten und Wein auszuschenken. Es scheint jedoch nie zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz geworden zu sein und wurde 1792 wieder aufgehoben, weil der damalige Besitzer eine Gipsmühle erstellte. Oberstleutnant Felix Platter, dem das alte Bad Schauenburg inzwischen gehörte, liess gegenüber dem Badhaus ein neues Wohnhaus errichten. Aus diesem stammt die schöne bemalte Holzdecke, die heute die Empfangshalle des Hotels ziert.

 

18. & 19. Jarhundert

SCHRÖPFEN UND SCHLEMEN

Im 18. und 19. Jahrhundert lief im Bad Schauenburg ein reger Bade- und Kurbetrieb. Der Tagesablauf war für die Gäste streng geregelt, wobei aber die Geselligkeit, die Lebensfreude und die leiblichen Genüsse nicht zu kurz kamen. Im Vergleich zum sittenstrengen Basel – wo sogar das Tanzen nur ausnahmsweise erlaubt war – muss das Leben auf Bad Schauenburg sehr freizügig gewirkt haben. Der Kurbetrieb war deshalb ein beliebter Treffpunkt der «Basler Samstagsgesellschaft».

Aber auch Bauern aus dem Schwarzbubenland kamen an den Badeort, wie der Historiker Daniel Burckhardt-Werthemann um die Jahrhundertwende spottet, «um sich nach uralt bewährten Regeln schröpfen zu lassen und nach geschehener Prozedur die abgezapfte Blutmenge durch ein genau entsprechendes Quantum roten Maispracher zu ersetzen. Von der berühmten, an das Schröpfen geknüpften Diätvorschrift: ‹Am ersten Tag mässig, am zweiten Tag gfrässig, am dritten Tag toll und voll› hat der Bader, soweit der erste Tag in Frage kam, seine Kunden zumeist mit gnädigem, verständnisvollem Lächeln dispensiert.»

(Bild: Bereits im Barockzeitalter war der Badebetrieb stets mit gutem Essen und musikalischer Unterhaltung verbunden.)

SOLLBAD

Trotzdem gab es auch Besucher, die zur Behandlung eines spezifischen Leidens nach Bad Schauenburg kamen. Die vom Kurarzt Dr. E.Meyer-Redard empfohlenen Solbadkuren gewährten Linderung bei: «Allgemeinen Schwächezuständen, Blutarmut, Bleichsucht, Scrofulose, Drüsenaffektionen, chronischer Knochenhaut- und Gelenkentzündung, Frauenkrankheiten, Rachitis (englische Krankheit) und Osteomalacie (Knochenerweichung), Gicht und ihren Ablagerungen, chronischem Muskel- und Gelenkrheumatismus, chronischen Kehlkopf- und Rachenkatarrhen, Krankheiten des Nervensystems, Herzaffektionen (Nauheimer Kur)».

 

Quelle: Bad Schauenburg, 2002, Redaktion: Treumund E. Itin, gekürzte Fassung: Marc Schaffner

 

20. Jarhundert

UMBAUTEN

Im 19. und 20. Jahrhundert machte die Gebäudeanlage einige bauliche Veränderungen durch. Emil Benedikt Emanuel Flury (1850–1940) erhöhte das Badhaus um ein Geschoss, baute den Dachstock aus, setzte über den Eingang einen Dachreiter und liess am Südgiebel anstelle der Laube einen Saaltrakt anbauen. Später liess er die Fassade durch Erker und gusseiserne Balkone verändern. Um die Jahrhundertwende folgten der Umbau des gegenüberliegenden Wohnhauses zu einer Dépendance und die Erweiterung der Ökonomie durch den Anbau eines Arzthauses. Weitläufige Gartenanlagen, Weiher und Fusswege umgaben die ausgedehnte Kuranlage, die damals ihren Höhepunkt erlebte.

Stube 1920

(Bild: Stube um 1920. Zwischen 1900 und dem 2. Weltkrieg erlebte das Bad Schauenburg einen Höhepunkt.)

ZWEITER WELTKRIEG

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nutzte die Armee die hinteren Räume des Hotels als Truppenunterkunft. Das Bad Schauenburg war froh darum, denn so konnte es sich in der für das Gastgewerbe schwierigen Zeit die wirtschaftliche Existenz sichern. Von 1942 bis 1944 diente das Hotel als Unterkunft für orthodoxe jüdische Emigranten. Diese bauten den Fussweg zwischen Bad Schauenburg und der Schönmatt aus und schufen damit eine Verbindungsstrasse zwischen Liestal und Arlesheim. Im Vergleich zu den Emigranten, die anderswo in Militärbaracken untergebracht waren, ging es den Juden im Bad Schauenburg gut. Sie konnten selber koscher kochen, die Badeanlagen benutzen und kulturelle Veranstaltungen durchführen.

IN GEIGY-BESITZ

1958 kaufte die J. R. Geigy AG das Bad Schauenburg, mit dem Plan, den Hotelbetrieb einzustellen und eine Villensiedlung für das Direktionskader des Unternehmens zu errichten. Die Baulandpreise in der Nähe der Stadt waren damals schon sehr hoch, und Bad Schauenburg war ideal gelegen: verkehrstechnisch gut erreichbar, aber doch im Grünen. Das Landwirtschaftsgesetz liess jedoch eine Umzonung zu, deshalb beschloss die J. R. Geigy AG, die Landwirtschaft zu verpachten und den Gasthof schrittweise zu einem modernen Erholungs- und Tagungshotel auszubauen.

 

Quelle: Bad Schauenburg, 2002, Redaktion: Treumund E. Itin, gekürzte Fassung: Marc Schaffner

 

ÄRA PETER GROGG

Nach mehr als 50 Jahren im Besitz der Chemiefirmen Geigy, Ciba-Geigy und später Novartis verkaufte 2015 das Basler Pharmaunternehmen Bad Schauenburg an Peter Grogg, Gründer des Biotech- und Pharma-Zulieferers Bachem. Bis vor kurzem hatte sich Novartis noch mit Plänen getragen, den Hotelbetrieb zu einem firmeneigenen Ausbildungszentrum für Spitzenkräfte auszubauen. Davon ist der Pharmakonzern aber aufgrund einer Analyse abgekommen. Zu Bad Schauenburg hat Peter Grogg eine sehr persönliche Beziehung – so wohnte er früher an der Schauenburgerstrasse und ging hier oft mit seinen Töchtern spazieren. Später war er als regelmässiger Gast mit der ganzen Familie im Bad Schauenburg zu Besuch. Mit dem Anspruch, das Hotel zu erhalten und damit etwas Schönes für die Gegend und die Allgemeinheit zu tun, investierte Peter Grogg 2016 bis 2018 in einen aufwändigen Umbau des gesamten Komplexes. Das heutige Hotel Bad Schauenburg steht für gepflegte Gastlichkeit und eine kulinarisch hochstehende Küche. Das geschützte Baudenkmal bietet seinen Gästen aus nah und fern eine Oase der Stille und der Erholung im Grünen, eine ideale Tagungsstätte für Seminare, Symposien oder Arbeitstreffen sowie einen stilvollen Rahmen für Familien-, Vereins- oder Firmenfeste. Bad Schauenburg wird seit 1984 nach wie vor von Pächterfamilie Häring geführt – ab 2016 bereits in der zweiten Generation.

 

DIE GROSSE RENOVATION

2016 bis 2018 wurde Bad Schauenburg komplett saniert und massgeblich erweitert. In nur fünf Monaten wurden die alten Hotelzimmer, die ehemalige Réception sowie die Durchgänge komplett saniert. Aus jeweils zwei Zimmern wurden die sogenannte Boutique-Suiten mit Schlaf- und Wohnbereich kombiniert. Die ehemalige denkmalgeschützte Scheune wurde zum «Landbeizli» mit weiteren Seminar- und Bankettmöglichkeiten umgebaut. Im neuen Restaurant Zum Schauenegg wird eine authentische Landküche gepflegt. Der ehemalige französische Garten wurde zum neuen Barockgarten nach historischem Vorbild umgestaltet. Dabei sind auch vergessene Obstsorten neu angesiedelt worden. Der Garten liefert auch frische Kräuter und Gemüse für unsere Küchenkreationen. Aus den früheren Gruppenräumen zwei elegante Boardrooms geworden, in einem wurde die historische Decke der ehemaligen Lobby eingebaut. Wo früher Réception, Buffet und Küche waren, ist eine offene gemütliche Empfangshalle mit Hotelbar, Lese-Ecke und grossem Weinschauschrank entstanden. Zudem steht neu einen kleiner Anbau mit einem separaten Frühstücksraum zur Verfügung. Die beliebten Restauranträume Basler Stübli, Baselbieter Gaststube sowie Veranda sind unverändert geblieben. Die Terrasse hingegen wurde vergrössert und erhielt eine neue moderne Bedachung. Im neuen Anbau sind 20 grosse, helle Zimmer entstanden. Alle Zimmer verfügen über Aussicht und Balkon. In der alten Pächterwohnung befindet sich neu die 70m² grosse Schauenburger Suite mit 40m² grosser Terrasse mit Blick ins Tal. Dieser Gebäudeteil wurde zudem um eine dritte Etage ergänzt und bietet nun auch im Dachstock zwei zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten. Zwischen dem bestehenden Schauenburgersaal und dem neuen Ostenbergsaal entstand überdies ein Office für die Verpflegung bei Seminaren und Banketten. Im Erdgeschoss wurde eine 100m² grosse Küche mit modernster Infrastruktur und nach neuesten hygienischen Vorschriften realisiert. Kühl- und Lagerräume befinden sich im Untergeschoss. Zudem sind das Hotel- und Economiegebäude mit einem Tunnel verbunden. Dazwischen befindet sich die neue Wäscherei. Ebenfalls wurde das frühere Mitarbeiterhaus abgerissen und durch ein modernes Minergie-Gebäude mit 20 Zimmern ersetzt. Das neue Haus ist auf die Bedürfnissen der Mitarbeitenden ausgerichtet – die sogenannte Zimmerstunde kann hier verbracht werden, nach einem anstrengenden Abend dient es dem Team zur Übernachtung. Mit dem Umbau wurde Bad Schauenburg auch barrierefrei. Es stehen ein separater Eingang sowie zwei Hotelzimmer zur Verfügung.